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Ableismus – Was es ist und was wir dagegen tun können

In der Mitte des Bildes ist eine Person im Rollstuhl von hinten zu sehen. links und rechts davon sind Zeigefinger zu sehen, die auf die Person gerichtet sind. Das Bild hat eine düstere Stimmung.

Die Inklusion findet ihren Weg in unser Bewusstsein und wird in einigen Bereichen bereits umgesetzt. Trotzdem bleibt eine tief verwurzelte Form der Diskriminierung bestehen: Ableismus. Eine Form der Abgrenzung, die strukturell in unsere Gesellschaft eingebunden ist.

Hinweis: Wir behandeln in diesem Blogartikel ein sensibles Thema. Wir sind uns dessen bewusst und versuchen unser Bestes, um gewaltfreie und inklusive Sprache zu verwenden.

Was ist Ableismus?

Ableismus ist eine Form der Diskriminierung, die Personen auf ihre körperlichen und psychischen Behinderungen reduziert. Dabei kann es sich um sichtbare, aber auch um unsichtbare Merkmale handeln, die zu Vorurteilen führen (Aktion Mensch, o.D.).

Dabei umfasst der Begriff über die Behindertenfeindlichkeit hinaus auch ein strukturelles Problem, das in Deutschland noch nicht sehr weit erforscht ist (Maskos, R., 2023).

Formen von Ableismus

Ableismus kann in verschiedenen Formen auftreten. Einerseits aufwertend, aber auch abwertend.

Abwertender Ableismus

“Du versperrst mit deinem Rollstuhl hier total den Weg, geh’ doch mal zur Seite!”

In diesem Beispiel wird eine Person herabgewürdigt und dafür verurteilt, dass sie auf einen Rollstuhl angewiesen ist.

Aufwertender Ableismus

“Wow! Ich finde es total toll, dass du immer so glücklich bist, obwohl du im Rollstuhl sitzt.” In diesem Fall wird die Behinderung der Person wieder herausgestellt. Was auf den ersten Blick wie ein Kompliment aussehen kann, reduziert allerdings nur wieder auf die Behinderung und stellt diese in den Vordergrund. Es wird impliziert, dass es eine Besonderheit sei, dass Menschen, die im Rollstuhl sitzen, glücklich sein können (Aktion Mensch, o.D.).

Die Rolle unserer Sprache

Unsere alltägliche Sprache ist durchsetzt mit ableistischen Ausdrücken, die Menschen mit Behinderungen indirekt diskriminieren können. Phrasen wie „Bist du behindert?“ sollen eine Person oder ihr Handeln herabsetzen, tragen aber gleichzeitig zu einer Kultur bei, in der Behinderungen als negativ angesehen werden. Es ist daher von großer Bedeutung, dass wir bewusst auf unsere Wortwahl achten und eine Sprache pflegen, die alle Menschen respektvoll behandelt.

Das Wort “Behinderung” steht für eine Beeinträchtigung in der Teilhabe. In Deutschland werden bislang nur jene Menschen statistisch erfasst, die eine amtlich anerkannte Schwerbehinderung haben (Grad der Behinderung 50 oder mehr) oder mit einer chronischen Krankheit leben, die im Alltag seit längerer Zeit zu erheblichen Einschränkungen führt. Ende 2021 traf dies auf rund 7,8 Mio. Menschen zu, das heißt 9,4% der Gesamtbevölkerung (Antidiskriminierungsstelle des Bundes, o.D.). Von Ableismus betroffen zu sein, ist allerdings für noch viel mehr Menschen Alltag. In einer sowieso schon von Barrieren behafteten Gesellschaft trägt unsere Sprache eine große Verantwortung. Sie kann ein erster Weg sein, Betroffenen und ihrer Situation mit Respekt und auf Augenhöhe gegenüberzutreten. 

Werkstätten: Ableistisch oder inklusiv?

Menschen mit Behinderung haben oftmals keine Chance auf dem sog. ersten Arbeitsmarkt. In Behindertenwerkstätten arbeiten Menschen mit unterschiedlichen Beeinträchtigungen. Die Werkstätten werden vor allem dafür kritisiert, dass die Menschen, die dort arbeiten, kein Recht auf Mindestlohn haben und isoliert werden, was dem Grundsatz der Inklusion widerspricht. Gegenstimmen sagen, dass dieses Arbeitsumfeld eben jene auffängt, die auf dem ersten Arbeitsmarkt sonst keine Chance hätten und somit Dinge ermöglichen, die sonst nicht möglich wären.

Isoliert statt gemeinsam – Wieso haben wir so wenig Kontakt zu Menschen mit Behinderungen?

Behinderungen werden tabuisiert und sind vorurteilsbehaftet. Uns fehlt der alltägliche Kontakt, um betroffene Personen als Teil unserer Gesellschaft wahrzunehmen, anstatt als Besonderheit.

Barrieren

Viele öffentliche Orte sind nicht annähernd barrierefrei und deshalb für viele Personen gar nicht oder nur schwer zugänglich. Körperliche Beeinträchtigungen werden oftmals nicht  mitgedacht.

Fehlende Repräsentation

Die Medien spielen eine entscheidende Rolle in der Darstellung von Diversität und der Bekämpfung von Ableismus. Die oft mangelnde Repräsentation von Menschen mit Behinderungen in Medien und Öffentlichkeit trägt zu einem verzerrten Bild der Realität bei. Aktivist:innen und Influencer:innen auf sozialen Medien, wie Luisa Wöllisch, Luisa L’Audace oder Raul Krauthausen, leisten wichtige Aufklärungsarbeit und fördern ein inklusiveres Gesellschaftsbild.

Inklusive Bildung als Grundsatz für eine ableismus-freie Welt

Wir werden früh mit ableistischen Strukturen konfrontiert, wenn Kinder auf Förderschulen geschickt werden, anstatt im gemeinsamen Unterricht zu lernen. Hier kann –ähnlich wie bei den Werkstätten –darüber diskutiert werden, ob Einzelförderung hilfreich ist, weil Kinder speziell gefördert werden können, oder ob es sie an den Rand der Gesellschaft verschiebt. 

In jedem Fall fördert die Vielfalt, Partizipation und Diversität in Schulklassen das Verständnis von Heranwachsenden für die Vielfalt in der außerschulischen Welt. 

Ausblick in eine bessere Zukunft

Was muss passieren, damit unsere Gesellschaft alle mit einbezieht, niemand isoliert wird und alle sein können, wie sie sind, ohne ständige Konfrontation und Rechtfertigung? 

Zunächst braucht es ein Bewusstsein für  Ableimus und andere Formen der Diskriminierung. Jeder Mensch verdient es, dass wir ihm respektvoll gegenübertreten. Wir sollten Personen direkt ansprechen und nicht über Begleitpersonen kommunizieren. Es ist wichtig, sich nach den Gefühlen anderer zu erkundigen, bevor wir Vermutungen darüber anstellen. Wenn wir ein Fehlverhalten anderer wahrnehmen, können wir darauf aufmerksam machen und aufklären. 

Wenn du selbst von Ableismus betroffen bist, kann es hilfreich sein, sich Verbündete zu suchen, um über die eigenen Erfahrungen und Erlebnisse ins Gespräch zu kommen. Du darfst Personen auf ihr Fehlverhalten aufmerksam machen und sie damit konfrontieren. Dadurch hinterfragen sie vielleicht ihr Verhalten und lernen daraus (Aktion Mensch, o.D.).

Wichtig ist, dass Betroffene dazu nicht verpflichtet sind. Keine von Ableismus betroffene Person muss  Aufklärungsarbeit für Nicht-Betroffene leisten, wenn sie es nicht möchte.

Abschließende Worte

Ableismus ist eine allgegenwärtige Form der Diskriminierung, die es zu erkennen und zu bekämpfen gilt. Es liegt an uns allen, eine inklusive Gesellschaft zu fördern, in der jede Person respektiert wird und die gleichen Chancen hat, unabhängig von körperlichen oder psychischen Beeinträchtigungen. Durch Bildung, Bewusstseinsbildung und aktives Handeln können wir Ableismus überwinden und eine gerechtere Welt für alle schaffen.

Hier findest du Hilfsangebote 

 

Literaturverzeichnis

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