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Bildungschance – Warum es ein Recht auf Chancengleichheit und Chancengerechtigkeit in Deutschland geben muss

Darum muss es ein Recht auf Chancengleichheit geben

Lesezeit: ca. 7 Minuten 

Es ist unumstritten, dass Bildung zu einer der wichtigsten Aufgaben eines jeden Landes zählt. Eine fundierte Ausbildung ist für den Lebensweg eines Menschen entscheidend und so kommt es bereits in der Schule auf die Chancengerechtigkeit und die Chancengleichheit eines jeden Kindes an. Jedes Kind sollte dieselbe Bildungschance erhalten, unabhängig von der sozioökonomischen Ausgangsbasis der Familie, der Herkunft oder der körperlichen und geistigen Verfassung. Chancengerechtigkeit in der Bildung stellt ein aktuelleres Thema denn je dar, denn nicht zuletzt forderte die Covid-19 Krise Herausforderungen im Hinblick auf bereits benachteiligte Schüler:innen. 

In diesem Artikel gehen wir der Chancengerechtigkeit in Deutschland nach und möchten uns Fragen wie ,,Was ist Chancengleichheit überhaupt?’’, ,,Welche Faktoren beeinflussen die Bildungschance?’’ und ,,Wie sieht es mit dem Recht auf Chancengleichheit in Deutschland aus?’’ näher ansehen und eine Verknüpfung zu den Vorteilen einer inklusiven Schule herstellen. 

Was ist Chancengleichheit und Chancengerechtigkeit im Kontext der Bildung?

Die besten Ergebnisse erzielen jene Bildungssysteme, in denen Chancengleichheit mit hoher Qualität Hand in Hand geht. Doch was ist Chancengleichheit eigentlich und wie wird diese im Bezug auf die Bildung verstanden? 

Unter Chancengleichheit lassen sich die ​​gleichen Ausbildungs- und Aufstiegsmöglichkeiten für alle ohne Rücksicht auf Herkunft und soziale Verhältnisse verstehen. Chancengerechtigkeit meint gerechte Bedingungen und gleiche Voraussetzungen für alle in der Ausbildung und gesellschaftlich-sozialen Entwicklung. Im schulischen Kontext ist unter Gerechtigkeit gemeint, dass schulische Leistungen weitgehend unabhängig vom sozioökonomischen Hintergrund verstanden werden müssen. Unter Inklusion ist in diesem Kontext hingegen zu verstehen, dass alle Schüler:innen zumindest ein Minimum an hochwertiger Bildung erhalten müssen. (vgl. Parveva et al. 2020: 3) Um Chancengerechtigkeit in Deutschland in der Schule zu erreichen, müssen Bildungssysteme allen jungen Menschen das Ausschöpfen ihrer Möglichkeiten und das Entfalten ihres Potentials ermöglichen. 

Welche Faktoren beeinflussen die Bildungschance?

Chancengerechtigkeit fordert gleiche Ausgangsbedingungen für jeden Menschen, unabhängig von der sozialen Herkunft. Schüler:innen, die keinen Abschluss der Sekundarstufe erreichen, haben schlechtere Zukunftsaussichten und das Schulversagen wirkt sich nachteilig auf das bevorstehende Leben des Kindes aus. Neben der sozialen Herkunft, der Bildung der Eltern und dem ethnischen Hintergrund sind noch weitere Faktoren wie beispielsweise die körperliche und psychische Verfassung oder die Sexualität eines Menschen für den Einfluss auf die Bildungschance verantwortlich. Menschen mit den genannten Hintergründen bekommen in der Schule oft nicht die Unterstützung und Förderung die sie bräuchten, um auf dem selben Level wie die Klassenkamerad:innen zu lernen oder werden bereits im Vorhinein als ,,schlechte Schüler:innen’’ abgetan. Eine neutrale Betrachtung aller Schüler:innen ist nicht immer einfach, dennoch sollte es unser aller Anspruch sein allen Kindern dieselbe Bildungschance zu ermöglichen, aufmerksam zu bleiben und Alltagssituationen zu reflektieren.

Welches Recht auf Chancengleichheit haben alle Menschen im Bildungswesen?

Das Recht auf Chancengleichheit in der Bildung wird von Land zu Land anders festgehalten. Während in Entwicklungsländern oft keine klaren Richtlinien in Bezug auf das Recht der Chancengerechtigkeit und die Bildungschance bestehen, sieht das in westlichen Ländern meist anders aus. ​​Bildung gilt als Menschenrecht. Jedem Kind liegt das Recht einer Schulausbildung zugrunde und jeder Mensch hat ein Anrecht darauf, seine:ihre grundlegenden Lernbedürfnisse ein Leben lang zu stillen – unabhängig vom sozioökonomischen Hintergrund. Aus diesem Grund ist eine inklusive und chancengerechte Bildung für alle Menschen in den Entwicklungszielen der Agenda 2030 vermerkt. Bei der Agenda 2030 handelt es sich um ein internationales Abkommen das 2015 in New York festgelegt wurde und 17 nachhaltige Entwicklungsziele verfolgt. Diese Ziele fokussieren sich vorrangig auf die Armutsbekämpfung und die ökonomische, ökologische und soziale Entwicklung. 

Im Artikel 24 der UN-Behindertenrechtskonvention wird das Recht auf Bildung von behinderten Menschen anerkannt. Die Vertragsstaaten des internationalen Übereinkommens stehen dafür ein, dass allen Menschen – mit und ohne Behinderung – ein Recht auf Bildung gewährt werden muss. 

,,Um dieses Recht ohne Diskriminierung und auf der Grundlage der Chancengleichheit zu verwirklichen, gewährleisten die Vertragsstaaten ein inklusives Bildungssystem auf allen Ebenen und lebenslanges Lernen mit dem Ziel (…) dass Menschen mit Behinderungen nicht aufgrund von Behinderung vom allgemeinen Bildungssystem ausgeschlossen werden und dass Kinder mit Behinderun- gen nicht aufgrund von Behinderung vom unentgeltlichen und obligatorischen Grundschulunterricht oder vom Besuch weiterführender Schulen ausgeschlossen werden (…)’’ 

Die Bildungschance wahrnehmen und für das Recht auf Chancengleichheit und Chancengerechtigkeit in Deutschland einstehen

Um in Deutschland die Bildungschance in Schulen voranzutreiben, bedarf es an einem qualitativ hochwertigen Unterricht sowie ansprechenden Unterrichtsformen. Damit die Schüler:innen im Unterricht ein Recht auf Chancengleichheit erfahren, ist ein inklusives Unterrichts- und Bildungssystem im Allgemeinen unabdingbar. Eine inklusive Schule in der alle Kinder so akzeptiert werden wie sie sind und ein Kind vom anderen lernt ist nicht nur eine Bereicherung, sondern stellt auch eine Bildungschance für alle dar. Ein inklusives Schulsystem fordert automatisch das Recht auf gleiche Chancen, nicht nur für Menschen mit Behinderung. Es kann gezielt auf die individuellen Ressourcen des jeweiligen Kindes eingegangen werden. Die Kinder sollen dabei begleitet werden, diese Ressourcen richtig einzusetzen und damit ihre ganzheitliche Weiterentwicklung zu stärken. Durch das Bereitstellen von Unterrichtsmaterialien und Übungen, die möglichst alle Sinneskanäle ansprechen, können die Schüler:innen effizienter erreicht werden. Wir verlinken euch hier unseren Blogartikel über die Lernideen, die möglichst viele Wahrnehmungskanäle des Menschen ansprechen. 

Die Bildungschance ermöglicht Potentialentfaltung und natürliche Entwicklung

Erkenntnisse aus dem Bildungsministerium zeigen, dass Chancengerechtigkeit zur  Verringerung von Schulversagen führt und die Fähigkeit der einzelnen Menschen und der Gesellschaften stärkt, um zum Wirtschaftswachstum und sozialem Wohlergehen in der Gesellschaft beizutragen. In weiterer Folge bedeutet das, dass Investitionen in die Qualität der Schulbildung und in Chancengleichheit für alle – von früher Kindheit an bis mindestens zum Ende der Sekundarstufe II die profitabelsten bildungspolitischen Maßnahmen darstellen. 

Schüler:innen, die positive Erfahrungen mit dem unterstützenden Schulsystem gesammelt haben, gehen mit einer höheren Wahrscheinlichkeit noch nach der Sekundarstufe II in die weiterführenden Schule über und treten dann erfolgreich in den Arbeitsmarkt ein. Kinder, die während dieser Phase mit Problemen kämpften aber rechtzeitig eine professionelle Unterstützung erhielten, können trotz ihres Hintergrundes oder ihrer Einschränkung erfolgreich einen Abschluss schaffen. 

Bildung ist die Zukunft und gilt als Grundlage zur Selbstverwirklichung und zur Freisetzung der persönlichen Potenziale. Wenn die Bildungschance als selbstverständlich für jede:n gelten würde, könne man sich auf eine aussichtsreiche Zukunft freuen. Denn eine fundierte Bildung schafft nicht nur gute Job-Aussichten und ökonomischen Wohlstand, sondern verschafft Selbstbewusstsein, trägt zur Bereicherung der Gesellschaft und der Arbeitswelt bei. 

Über diesen Link gelangt ihr auf unseren Blog, wo weitere spannende Beiträge zum Thema inklusive Schule auf euch warten. 

 

Verwendete Literatur:

Parveva, Teodora / Horvath, Anna / Kremo, Anita / Sigalas, Emmanuel (2020): Eurydice Brief. Chancengleichheit in der Schulbindung Europa. Strukturen, Strategien und Schülerleistungen. Online unter: https://op.europa.eu/en/publication-detail/-/publication/517ee2ef-4404-11eb-b59f-01aa75ed71a1/language-de (abgerufen am 24.02.2022) 

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