Inklusion Digital BLOG

Autismus-Verhalten beobachten & eine individuelle Förderung im Unterricht begleiten

Kinder mit Autismus Spektrum Störung: Autismus Verhalten erkennen und Förderung im Unterricht begleiten

Weltweit sind von 1000 Menschen etwa sechs bis sieben von einer Autismus-Spektrum-Störung betroffen. In Deutschland selbst liegen keine konkreten Zahlen vor, wie viele Menschen im Autismus-Spektrum es tatsächlich gibt. (Quelle: autismus.de) In diesem Beitrag gehen wir Fragen, wie ,,Was genau versteht man unter einer Autismus-Spektrum-Störung?’’, ,,Wie kann man Kinder im Autismus-Spektrum in der Schule optimal betreuen?’’ und ,,Wie kann eine Autismus Förderung im Unterricht aussehen?”, nach und zeigen euch die in der SPLINT WebApp verfügbaren Förderplan Formulierungshilfen. Autismus ist vielseitig und kann in verschiedenen Ausprägungen auftreten, weshalb auch nachfolgend immer von dem Oberbegriff Autismus-Spektum-Störung (ASS) gesprochen wird. 

Kinder mit Autismus-Spektrum-Störung – Ursachen und Definition

Es handelt sich bei einer Autismus-Spektrum-Störung nicht um eine Störung einer Person, sondern um einen neurologischen Unterschied. Menschen im Autismus-Spektrum sehen den Autismus nicht als Krankheit oder Entwicklungsstörung an, sondern als eine Form der neurologischen Entwicklung und Verarbeitung. Früher wurde in der Regel nur von Autismus gesprochen. Autismus-Spektrum-Störungen äußern sich jedoch sehr unterschiedlich, sodass im deutschen Sprachraum zwei Ausprägungen unterschieden werden:

  • Frühkindlicher Autismus oder Kanner-Syndrom:

Diese Form von Autismus zeigt sich bereits vor dem dritten Lebensjahr und ist oftmals einhergehend mit einer Sprachentwicklungsstörung oder einer möglichen geistigen Behinderung. Betroffene Kinder haben es meist schwer, soziale Kontakte zu knüpfen und Beziehungen einzugehen. Auch ein einseitiges Spielverhalten kann Kleinkinder mit Autismus kennzeichnen. 

  • Asperger-Syndrom:

Das Asperger-Syndrom kennzeichnet sich durch einen späteren Beginn, etwa nach dem dritten Lebensjahr und verläuft meistens ohne Sprachentwicklungsstörungen. Asperger Autisten weisen eine normale bis hohe Intelligenz auf, haben gute sprachliche Fähigkeiten und häufig eine extreme Ausprägung von Interessen und Wissen. Kinder und Jugendliche mit Asperger-Syndrom erleben Sinnesreize wie Gerüche, Geräusche oder Berührungen intensiv und haben oftmals spezielle Interessen und eine Abneigung gegenüber Veränderungen.

  • Atypischer Autismus:

Der atypische Autismus passt weder zum frühkindlichen Autismus noch zum Asperger-Syndrom. Es fehlen etwa einige Leitsymptome der frühkindlichen Form oder das typische Bild eines frühkindlichen Autismus zeigt sich erst nach dem dritten Lebensjahr. Zum atypischen Autismus zählen alle anderen Formen und Ausprägungen einer ASS – und diese können vielschichtig sein. 

Die Diagnose einer ASS wird dadurch erschwert, dass einzelne Symptome für sich allein nicht ungewöhnlich sein müssen. Erst wenn mehrere der  genannten Verhaltensweisen gleichzeitig bestehen, ergibt sich ein Verdacht. Autismus-Spektrum-Störungen werden bei gleichen diagnostischen Voraussetzungen weltweit und damit kulturübergreifend in einem gleichen Ausmaß registriert. Die Ursache einer Autismus-Spektrum-Störung ist bis heute nicht vollständig geklärt, jedoch weisen aktuelle Forschungserkenntnisse auf genetische Bedingtheit hin. 

Kinder mit Autismus – Verhalten und Umgang

Eine Autismus-Spektrum-Störung ist meist angeboren und macht sich in der Regel vor dem dritten Lebensjahr bemerkbar. Kinder im Autismus-Spektrum können komplexere Informationen häufig nur schwer verarbeiten, was oftmals auch zu Einschränkungen im sozialen Leben führen kann. Eine Autismus-Spektrum-Störung kann nicht geheilt werden.  Durch individuelle Therapien können allerdings die kognitiven und sprachlichen Fähigkeiten deutlich verbessert und die soziale Interaktion und Kommunikation gezielt trainiert werden. Kinder mit Autismus verhalten sich nicht alle gleich, sondern meist sehr individuell. 

Nicht alle Kinder im Autismus-Spektrum benötigen eine sonderpädagogische Förderplanung, aber auch nicht wenige. Es ist also lohnenswert, eine:n Sonderpädagog:in zur Ermittlung des Förderbedarfs mit einzubeziehen. Ein gutes Kommunikationssystem mit den Eltern des Kindes ist ebenso von großer Bedeutung. Informiere dich bei den Eltern über Besonderheiten und Spezialinteressen des Schülers oder der Schülerin. So kann versucht werden, die Interessen und Stärken des Kindes in den Unterricht zu integrieren. Die Eltern haben meist sehr hilfreiche Tipps im Umgang mit bestimmten Situationen

Hier haben wir noch weitere hilfreiche Tipps versammelt, die du anwenden kannst, um einem Kind mit ASS den Schulalltag zu erleichtern: 

  • Besonders zu Beginn des Schuljahres sollte auf einen klar strukturierten Tages- und Wochenablauf geachtet werden, sodass sich das Kind optimal
    eingewöhnen kann. Eine Klassenfahrt gleich zu Beginn des Schuljahres kann für ein Kind im AS sehr überfordernd sein.  
  • Setze wiederholende Rituale  in den Unterricht ein. Das kann zum Beispiel ein Begrüßungsritual am Morgen zum Start in den Tag sein. Hier kannst du noch weitere Rituale für den Unterricht nachlesen. 
  • Schaffe außerdem Vorhersehbarkeit, indem du für den Schüler oder die Schülerin visuelle Pläne zur Verfügung stellst, (Stunden-, Raum-,
    Vertretungs-, Stundenablaufpläne). Visualisiere und strukturiere möglichst viele Situationen, Handlungen und Abläufe. Als Merkhilfe für Regeln und Abläufe können visuelle Unterstützungskarten hilfreich sein, (Schrift, Bilder, Fotos).
  • Um die Zeit bei Aufgaben zu verdeutlichen, können als Hilfsmittel Timer, Pläne oder Eieruhren in Einsatz kommen.
  • Sich anbahnende Veränderungen sollten immer so weit im Voraus wie möglich angekündigt werden. 
  • Nach Möglichkeit sollten anstehende Aufgaben wie zum Beispiel Hausübungen oder Absprachen immer verbal und visuell angekündigt werden. 
  • Insbesondere bei Kindern mit Asperger sollte man auf eine eindeutige, metapherfreie Sprache ohne Ironie setzen. 
  • Als Lehrkraft sollte man auch versuchen, eine ruhige Atmosphäre in der Klasse herzustellen, indem man Reizüberflutung vermeidet. 
  • Für den Fall der Fälle sollte ein Raum zum Rückzug für die Kinder im Autismus-Spektrum zur Verfügung stehen, in welchen sie sich bei Reizüberflutung, Überforderung und Unruhe zurückziehen können. Dieser Raum könnte auch zum Arbeiten genutzt werden, wenn das Kind sehr geräuschempfindlich ist und als Art „Home-Base“ für den Schüler oder die Schülerin fungieren.

 

Autismus Verhalten und Förderung im Unterricht – was ist wichtig zu wissen?

Wie weiter oben bereits angedeutet, lassen sich gewisse Einschränkungen, die sich aus der veränderten neurologischen Entwicklung und ihrer Auswirkung auf die Informationsverarbeitung, der  sozialen Interaktion sowie der Kommunikation ergeben, durch Unterstützung und Trainings unter Umständen reduzieren. Als Beispiel wären soziale Trainings, um soziale Interaktion besser zu verstehen und einzuüben oder gezielte sprachliche Förderung zu nennen. Diese Themen lassen sich gut als Elemente in den Unterricht bzw. Fördermaßnahmen übernehmen.

Wenn Autismus eine andere Form der neurologischen Entwicklung und Beschaffenheit ist, dann ist davon auszugehen, dass viele der Einschränkungen oder besser veränderten Verarbeitung von Umwelt- und Sinnesreizen sowie kognitiven Prozessen nicht veränderbar sind. Im schulischen Alltag muss es darum gehen, geeignete Nachteilsausgleiche und Unterstützung (einige finden sich bereits im obigen Tipps wieder) für den Unterricht zu entwickeln, die vor allem die besondere Wahrnehmung und Informationsverarbeitung von Schüler:innen im Autismus-Spektrum berücksichtigen. Hier wären beispielsweise die räumliche Strukturierung, Möglichkeiten zum Rückzug, (übersichtliche) Gestaltung von Lernmaterialien, Kommunikationshilfen zu nennen. 

Eine gute Orientierung bietet das Material von Daniela Henk und ihren Kolleg:innen von der Fachberatung Autismus-Spektrum im Schulamt für den Kreis Warendorf, NRW – die federführend bei der Entwicklung des SPLINT-Bogen “Autismus” war. 

Darüber hinaus ist es natürlich wichtig, mit den Eltern ein gutes Kommunikationssystem herzustellen und sich regelmäßig zum Austausch zu treffen. Aber auch der Erfahrungsaustausch im Kollegium ist notwendig, um auf dem neuesten Stand zu bleiben und um Entwicklungsschritte zu besprechen und dokumentieren zu können. 

Als besonders hilfreiches digitales Tool hat sich die SPLINT Web-App, die speziell für (Sonder-)pädagog:innen konzipiert wurde, bewährt. SPLINT enthält viele sonderpädagogische Beobachtungsbögen zum Ausfüllen und gemeinsamen Bearbeiten, darunter auch den SPLINT-Bogen “Autismus’’. Wähle aus den vielen vorhandenen Kapiteln (z.B. Sprachverarbeitung, Wortschatz, Kommunikation, Stresserleben uvm.) aus, fülle den jeweiligen Beobachtungsbogen aus und erhalte von der Maßnahmenbibliothek Vorschläge zum Umgang mit dem Schüler oder der Schülerin in der Praxis und für Nachteilsausgleiche in der Unterrichtsgestaltung. Die Förderplanung kannst du alleine, aber auch zusammen mit deinen Kolleg:innen begleiten und mit einem einzigen Klick ausdrucken und beispielsweise den Eltern vorlegen. Kindern im Autismus-Spektrum wird so eine individuelle Förderung im Unterricht gewährt. 

 

Hier haben wir ein paar hilfreiche Links für weitere Informationen und Tipps zur Autismus-Förderung (im Unterricht) verlinkt: 

Tipps für Lehrkräfte zur Autismus-Förderung im Unterricht: 

https://www.autismuszentrum-oberlausitz.de/wp-content/uploads/30-Tipps-für-Lehrkräfte-von-Schülern-mit-Autismus.pdf

https://www.uni-frankfurt.de/74782320/einstiegshilfen_fuer_den_unterricht_von_kindern_und_jugendlichen_im_autismus_spektrum_2018.pdf

https://www.rlsb.de/themen/projekte/autismus/foerdermassnahmen-1.-hilfe

 

Allgemeine Informationen zu Menschen im Autismus Spektrum: 

https://www.autismus.de/was-ist-autismus.html

https://www.autismus.ch/informationsplattform/autismus.html

 

Entdecke mit SPLINT Förderplan Formulierungshilfen (Autismus)

 

In der SPLINT App hast du die Möglichkeit, Förderpläne für deine Schüler:innen im Bereich Autismus zu erstellen. Du kannst nicht nur Fragen aus diesem Förderschwerpunkt über deine Schüler:innen beantworten, sondern auch von der Maßnahmenbibliothek profitieren, die dir Impulse zur Umsetzung im Unterricht liefert. Wir erklären dir in fünf Schritten, wie du Kinder im Autismus Spektrum mithilfe der SPLINT App fördern kannst: 

 

1 Rufe die Website splint.schule auf und registriere dich kostenfrei oder melde dich an. Wenn du neu bei SPLINT bist, haben wir hier die ersten Schritte in einer Anleitung für dich zusammengestellt. 
2 Klicke auf  den Kreis ,,Schüler:innen’’, wähle eine:n von dir erstelle:n Schüler:in aus und gehe dann auf ,,Beobachtung anfragen’’. Wenn du noch keine:n Schüler:in erstellt hast, dann klicke auf ,,Schüler:innen’’ und dann auf den Kreis ,,Schüler:in erstellen’’. Gib hier die benötigten Informationen zu deiner Schülerin oder deinem Schüler ein. 
3 Im Anschluss scrollst du etwas nach unten und klickst auf ,,Beobachtung anfragen’’. Unter ,,Kolleg:innen auswählen’’ kannst du entweder dich selbst, oder deine Kolleg:innen angeben, mit denen du den Bogen kollaborativ bearbeiten möchtest. Unter der Sektion ,,Sonderpädagogische Beobachtungen’’ findest du an letzter Stelle,,Autismus’’. Nachdem du ein Häkchen in die Box gesetzt hast, kannst du rechts neben dem Fragezeichen einzelne Kapitel zur Bearbeitung auswählen. Es steht dir frei, für welche Kapitel du dich entscheidest. Scrolle dann nach unten und klicke auf ,,Absenden’’. 
4 Wenn du den Bogen an deine Kolleg:innen versendet hast, werden diese direkt per Mail benachrichtigt und können den Bogen bearbeiten und gegebenenfalls wieder an dich retour senden. 
5 Wenn du dir den Bogen selbst zugewiesen hast, dann klicke auf den Kreis ,,Meine Aufgaben’’. Hier wird dir der Name des/der Schüler:in mitsamt dem Bogen angezeigt. Klicke darauf und starte mit dem Ausfüllen. Hast du alle Fragen beantwortet, liefert dir die in SPLINT integrierte Maßnahmenbibliothek Impulse und Handelsempfehlungen für das Kind. 

 

Du hast Fragen? Dann zögere nicht und kontaktiere uns unter support@inklusion-digital.de

 

Inhalt des Beitrags:

Neue Beiträge entdecken:
Deine Anmeldung konnte nicht gespeichert werden. Bitte versuche es erneut.
Yeah! Deine Anmeldung war erfolgreich.

Wir versenden ca. 12 Newsletter im Jahr. Du kannst der Verwendung deiner E-Mail-Adresse jederzeit über einen Link im Newsletter oder via E-Mail an newsletter@inklusion-digital.de widersprechen. Damit alles sicher bei dir ankommt und wir rausfinden, wie wir unsere Newsletter noch besser machen können, nutzen wir einen renommierten deutschen Dienstleister mit Sitz in Berlin. Mit dem Abonnieren des Newsletter erklärst du dich damit einverstanden, dass wir dafür deine Daten so verarbeiten, wie wir es in unserer Datenschutzerklärung ausführlicher beschrieben haben.